Breaking News aus dem Einsatz: So beschleunigt eine webbasierte Hinweisaufnahme Ermittlungen

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Mal schnell der Sonderkommission einen Hinweis schicken, wenn einem auf Streife etwas Sachdienliches aufgefallen ist? Für die meisten Polizistinnen und Polizisten ist eine webbasierte Aufnahme von Hinweisen im Außendienst noch eine Utopie. Eine neue Lösung soll das nun ändern: Sie ermöglicht die direkte und gezielte Hinweisaufnahme für alle, die ans Polizei-Intranet angeschlossen sind.


Polizist im Einsatz: Fällt ihm im Einsatz etwas auf, sollten Hinweise einfach und unkompliziert an die SoKo übermittelt werden können. (Adobe Stock)


Sonderkommissionen (SoKo) der Kriminalpolizei sind so etwas wie die Spinne im Netz einer Ermittlung. Sie werden etwa bei Vermisstenfällen, terroristischen Anschlägen oder groß angelegten Einbruchserien eingesetzt und sind dann das Zentrum der Ermittlungen. Bei einer SoKo laufen sämtliche Fäden eines Falls zusammen. Ihre Mitglieder bewerten alle Informationen und Hinweise und sie entscheiden, welcher Spur sie als nächstes folgen.

Für die Arbeit einer SoKo ist Zeit ein kritischer Faktor. Je schneller eine Information vorliegt, desto schneller kann eine Ermittlung aufgenommen werden. Doch leider gibt es ein verzögerndes Element: die Hinweisaufnahme. „Gerade für Polizistinnen und Polizisten im Einsatz ist die Übermittlung von Spuren oder Beobachtungen an die zuständige Ermittlungsgruppe oft umständlich“, sagt rola-Produktmanager Sascha Schamberg. Der Grund ist ein technischer: „Eine SoKo arbeitet normalerweise im digitalen Fallbearbeitungssystem der Kriminalpolizei. Dort müssen sich alle User authentifizieren. Informationen zum Fall bekommen nur Mitglieder der jeweiligen SoKo, und auch nur sie können Hinweise aufnehmen und bearbeiten.“

Zeitaufwändig und personalintensiv: Telefonische Hinweisaufnahme bei der SoKo

Was aus Datenschutzgründen sinnvoll ist, kann eine Ermittlung gefährlich verlangsamen. Denn die meisten Polizistinnen und Polizisten sind – im Gegensatz zu KriminalbeamtInnen – normalerweise nicht direkt an das System der Kriminalpolizei angeschlossen. „Viele Teammitglieder haben nur von ihrem Dienstrechner Zugang zur Fallbearbeitungssoftware, andere gar keinen“, sagt Schamberg. Fällt einer Polizistin oder einem Polizisten im Außendienst zum Beispiel bei einer polizeilichen Feststellung etwas auf, muss der Hinweis entweder telefonisch an die SoKo durchgegeben oder die Beobachtung notiert werden, um sie später am Dienstrechner einzutragen. Das kostet entweder Zeit oder bindet in der Ermittlungsgruppe mehr Kräfte als nötig, die telefonische Hinweise entgegennehmen müssen.

Einfach mobil über einen Browser einen Hinweis aufnehmen, dies funktioniere leider nicht, sagt der Produktmanager. „Dass diese Situation unbefriedigend ist, haben wir immer wieder von Polizeien gehört.“

Schnelle Produktentwicklung: Prototyp eines Hinweisaufnahme-Moduls

Konkret fragte eine Landespolizei Anfang 2020 nach einer Möglichkeit, Hinweise von Polizistinnen und Polizisten komplett online zu erfassen. Gerade bei Großlagen wie etwa der Fußball-Europameisterschaft, bei denen in kürzester Zeit Hinweise von vielen Stellen aufgenommen und verarbeitet werden müssen, kann eine solche Lösung die Reaktionsfähigkeit der zuständigen SoKo deutlich erhöhen. „Wir haben den Ball aufgenommen und direkt einen Prototypen entwickelt“, sagt Ke Hoan Dam, Entwicklungsleiter im Bereich Fachentwicklung bei rola. Als im Sommer 2020 dann eine andere Polizei nach einer ganz ähnlichen Schnittstelle fragte, konnten die Entwickler dem Kunden bereits eine fertige Web-Lösung mit einer intuitiven Erfassungsmaske präsentieren.

Vom Kundenwunsch zur Realität in kürzester Zeit: Nutzerorientiertes Design und agiles Arbeiten machen auch in der Entwicklung von Software-Lösungen für die Sicherheitsbehörden immer schnellere Zyklen möglich.


Polizistinnen und Polizisten sind meist nicht für das Fallbearbeitungssystem der Kriminalpolizei authentifiziert. (Foto: Adobe Stock)


Flexibel und intuitiv: Die Vorteile einer webbasierten Erfassung von Hinweisen

Schließlich bietet eine webbasierte Hinweisaufnahme verschiedene Vorteile:

„Wichtig für eine solche Lösung ist zudem, dass sie nutzerfreundlich und einfach zu bedienen ist“, sagt Sascha Schamberg. Das betrifft zum einen die Authentifikation, die in der Web-Applikation entfällt: „Es ist kein Login und keine Verfahrensauswahl in der Fallbearbeitungssoftware nötig.“ Zum anderen sollte auch die Ansicht leicht verständlich sein. „In unserer Lösung werden alle Verfahren auf der Startseite mittels Widgets angezeigt, alles ist intuitiv nutzbar. Das heißt: Anders als bei der Fallbearbeitungssoftware brauchen die Nutzerinnen und Nutzer keine Schulung, um Hinweise richtig aufnehmen zu können.“

Nächste Ausbaustufe: Schnell Fotos an die SoKo übermitteln

In der nächsten Ausbaustufe ist geplant, dass auch Fotos direkt aus dem Einsatz hochgeladen werden können. „Wir entwickeln das Produkt im engen Austausch mit unseren Kunden weiter“, sagt Entwicklungsleiter Ke Hoan Dam. Denn eines ist sicher: Die nächste Großlage, die eine schnelle Hinweisaufnahme für alle Polizistinnen und Polizisten erfordert, kommt bestimmt.



Zur Person: Ke Hoan Dam ist Entwicklungsleiter im Bereich Fachentwicklung bei rola. Er ist verantwortlich für drei Entwicklungsteams, die für Polizei-Kunden Software entwickeln.


Zur Person: Sascha Schamberg verantwortet im Team Produktmanagement bei rola die Lösungen zur webbasierten Hinweisaufnahme und das Anforderungsmanagement.