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Die Dimensionen dieser Sportveranstaltung sind überwältigend: zehn Stadien, 51 Spiele, 16.000 leidenschaftliche Freiwillige aus über 124 Nationen. Die Planung und vor allem die Durchführung sind eine organisatorische Meisterleistung. Insgesamt werden rund 2,7 Millionen Menschen in den Stadien erwartet. Auf den Fanmeilen der zehn Gastgeberstädte können sogar bis zu 12 Millionen Fans feiern und die Spiele verfolgen. Für Nancy Faeser, Bundesministerin des Innern und für Heimat, hat deshalb Sicherheit oberste Priorität: „Wir wollen ein guter, weltoffener Gastgeber sein. (…) Und wir wollen Momente und Erinnerungen schaffen, die viele Menschen verbinden. (…) Wir wollen die Fußball-Europameisterschaft zu einem rundum sicheren Turnier machen: in den Stadien, beim Public Viewing und überall sonst, wo sich viele Menschen begegnen.“ Darauf bereiten sich Sicherheitskräfte von Bund und Ländern intensiv vor.
Ein bekanntes Bild: vermummte Personen mit Pyrotechnik im Stadion
Von extremistischen Bedrohungen, über extreme Unwetter bis hin zu Ausschreitungen in und um die Stadien herum durch gewaltbereite Hooligans: die Veranstalter der Fußball-Europameisterschaft müssen bestmöglich jedes potenzielle Szenario durchdenken und einen Plan vorlegen, was im Ernstfall zu tun ist. Frau Faeser gab sich vor Turnierstart optimistisch: „Wir sind gut gewappnet — und die Vorfreude auf dieses große Fußballfest bei uns im Land ist riesig.” Doch die Vorfreude dürfte nicht nur bei der Innenministerin riesig gewesen sein: Auch szenebekannte und teils als gewaltbereit eingestufte Hooligans werden ebenfalls zum Turnier erwartet. Und diese könnten mit möglichen geplanten Aktionen die friedliche Fußballparty stören. Was also tun?
Vor allem Social Media Plattformen bieten Menschen Gelegenheit, sich über Aktionen während der Fußball-EM zu verständigen: Nicht nur An- und Abreise lässt sich einfach organisieren, auch Informationen über mögliche Störaktionen werden von verschiedenen Gruppen in den sozialen Netzwerken geteilt — und geben Ermittelnden wichtige Hinweise auf mögliche Zwischenfälle.
Um die Lage im Blick zu behalten und zu reagieren, bevor eine Situation eskaliert, stehen den ermittelnden Kräften verschiedene KI-basierte Tools zur Verfügung: Das Social-Media-Monitoring-Tool rsNetMAn von rola Security Solutions dient als Datenkollektor und extrahiert Daten aus mehr als 250 Millionen Online-Quellen. „Aufgrund von Suchphrasen, einzelnen Begriffen oder auch kombinierten Suchen, werden Artikel, Posts oder Meldungen gefunden und können leicht aufgrund ihrer Viralität, Tonalität oder enthaltener Bilder analysiert werden. So bekommt man einen geschärften Blick auf die individuelle Suche“, erklärt Dominik Kahsche, Solution Consultant bei rola. Mit der automatischen Auswertung dieser Quellen ergibt sich für die Ermittelnden ein genaues Lagebild: Welche Treffpunkte sind geplant? Zu welchen Spielen werden die einzelnen Gruppen anwesend sein? Wie viele Fans werden erwartet? Das Tool liefert dazu anschauliche Reports, die sich team- oder organisationsübergreifend teilen lassen — bei einer Großveranstaltung wie der Fußballeuropameisterschaft unabdingbar! Denn: Nicht nur die nationalen Sicherheitsbehörden sind hier gefragt. Für die EM findet seit Monaten eine intensive Kooperation mit den Sicherheitsbehörden der potenziellen Teilnehmer-, Anrainer- und möglichen Transitstaaten statt.
Herzstück dieser internationalen Zusammenarbeit: Das International Police Cooperation Center (IPCC) in Neuss/Nordrhein-Westfalen. Hier fließen Informationen aller Verbindungspersonen zusammen. Es koordiniert zudem den Einsatz der internationalen Delegationskräfte aus ganz Europa und wertet turnierbezogene und sicherheitsrelevante Informationen rund um das Turnier aus.
Trotz aller guten Vorbereitung schaffen es gewaltbereite Fans dennoch immer wieder ins Stadion und sorgen dort für Zwischenfälle. Auch während der Fußball-Europameisterschaft kann auch ein noch so überzeugendes Sicherheitskonzept nicht ganz ausschließen, dass es zu Ausschreitungen kommt. Szenarien, die den Sicherheitsbehörden nur allzu bekannt sind: Vermummte Personen werfen Pyrotechnik in die Menge oder prügeln auf den Rängen der Stadien oder in den Straßen rund um die Spielstätte auf die Fans des gegnerischen Teams ein. Während des Geschehens ist es den BeamtInnen meist nicht möglich, alle TäterInnen zu identifizieren und in Gewahrsam zu nehmen. Oftmals spielen ihnen Reaktionszeit oder ihre Anonymität in die Karten. Sturmhaube auf, Randale machen und anschließend unbehelligt im Getümmel untertauchen? So simpel sieht der Plan der TäterInnen während Ausschreitungen meist aus. Dann heißt es: die Ermittlungsarbeit beginnt. Die digitalen Spuren können zahlreich sein. Genau hier setzt KI-basierte Objekterkennung an. Sicherheitskameras im Stadion oder veröffentlichte Videos und Fotos auf Social Media — die Datenmengen müssen nun ausgelesen und geordnet werden. Der Objektinspektor rsObIn durchforstet mit Hilfe neuronaler Netze das Material und erkennt eigenständig Muster und Gesichter. So können Personen, egal ob vermummt oder nicht vermummt, detektiert werden. Die Objekterkennungs-Software ergänzt den Datenpool des rsNetMAn optimal, um wertvolle Informationen und relevante Details zu Fahrzeugen, Waffen, Personen und Symbolen mithilfe KI-gestützter Interpretation von Bildern und Videos auszulesen. So lassen sich in Sekunden verdächtige Personen oder Objekte erkennen und wiederfinden. „Beide Tools sind mit minimalem Schulungsaufwand einsatzbereit und jeweils auch autark nutz- und beschaffbar — im Zusammenspiel unterstützen beide Tools unsere Einsatzkräfte dabei, Großveranstaltungen wie die Fußball-EM oder auch die anstehenden Olympischen Spiele in Paris besser und sicherer zu machen,“ so Kahsche. Das schaffe mehr Zeit und Ressourcen in Ermittlungen und Analysen innerhalb der Strafverfolgung.
Der Solution Consultant von rola weiß, wie wichtig Tools wie der rsObIn für eine erfolgreiche Ermittlung sind: „Das Tool arbeitet sehr präzise, erkennt und markiert automatisch relevante Stellen im Datenmaterial, die sich die Analyseteams anschließend anschauen können. So wird eine Vielzahl von Objekten und Symbolen wie zum Beispiel Sonnenbrillen, auffällige Labels an der Kleidung oder auch Tätowierungen erkannt.“ Das bedeutet also: Selbst bei einer vermummten Person findet Frame für Frame ein Abgleich weiterer Merkmale statt. Und das zeit- und ortsunabhängig. Denn: Im Verdachtsfall können ErmittlerInnen nicht nur auf das Material der Überwachungskameras am Tag des Fußballspiels zurückgreifen: Der rsObIn findet die Person möglicherweise beim Würstchenkauf vorm Stadion, beim Einlass oder nach Verlassen des Stadions beim Zigarettenkaufen an der Tankstelle. Durch wiederkehrende Merkmale, wie beispielsweise dem vorher genannten auffälligen Tattoo, ist es auch möglich, dass die Person außerhalb des Stadionbesuchs von Kameras — möglicherweise einer Verkehrsüberwachungskamera oder in einem hochgeladenen Video auf Social Media — erfasst wird. So wird eine Art Bilderstrecke aufgebaut, die den Ermittelnden automatisiert und in Sekunden zur Verfügung gestellt wird. „Gerade die Kombination der beiden Tools ist ein echter Gamechanger. Denn so können auch vermummte Personen ausfindig gemacht werden.“ so Dominik Kahsches Fazit.
Zur Person: Dominik Kahsche ist seit Ende 2022 Solution Consultant bei rola. Mit langjähriger IT- und Vertriebserfahrung bringt er bei rola nun AnwenderInnen-Bedürfnisse mit Marktpotenzialen zusammen und hilft, rolas Produktportfolio weiterzuentwickeln.