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Ermittlungen setzen sich aus vielen Informationen zusammen, so wie ein Puzzle aus Hunderten Teilen besteht. (Adobe Stock)
Polizeiliche Ermittlungen funktionieren oft wie ein Puzzle: Am Anfang halten ErmittlerInnen meist nur wenige Teile in der Hand. Die Kunst ist, daraus möglichst schnell das ganze Bild zu legen. Wie bei jedem Puzzle hilft der Blick nach links und rechts: Welche Teile aus anderen Ermittlungen liegen vielleicht schon lose auf dem Tisch? Passen sie zu denen des aktuellen Falls? Idealerweise lässt sich ein Puzzlestück direkt an ein eigenes andocken. Oder man findet sogar einen „Missing Link“: ein Verbindungsstück, das zwei bislang getrennt gedachte Bildausschnitte verbindet.
Was spielerisch klingt, ist für Sicherheitsbehörden eine Sache auf Leben und Tod. Am dramatischsten zeigte sich das bei 9/11: Der Terroranschlag auf das World Trade Center hätte womöglich verhindert werden können, wenn Informationen über die islamistischen Terroristen frühzeitig länder- und behördenübergreifend ausgetauscht worden wären. Daraus haben die Sicherheitsbehörden weltweit gelernt — und zwei Formen des Austauschs etabliert:
Von der Terrorabwehr über die Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität bis hin zum Identitätsdiebstahl im Cyberumfeld — einer Straftat die die letzten Jahre immer häufiger wird: Meist stehen die ErmittlerInnen zunächst vor Einzelfällen, die erst mit Hilfe weiterer Informationen Ansätze zur Ermittlung bieten. Ob durch organisationsübergreifende Formate oder den automatisierten Datenaustauch über digitale Lösungen: Immer geht es für Sicherheitsbehörden darum, potenzielle Fallzusammenhänge zu erkennen, die ohne den Datenaustausch nicht erkannt worden wären.
Auch um Identitätsdiebstahl und andere Delikte der Cyberkriminalität aufzudecken, ist Datenaustausch essenziell. (Adobe Stock)
rola bietet mit seiner Software-Suite rsFrame den Sicherheitsbehörden eine solche Gesamtsicht. Recherchen, Ermittlungsergebnisse und Analysen können darin ohne Medienbrüche geteilt und in anderen Systemen weiterverarbeitet werden. rsFrame wurde zunächst als Werkzeug zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus und der Organisierten Kriminalität entwickelt. Die Lösung kommt in fast allen Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung zum Einsatz.
Das Fachwort für diesen Datenaustausch ist Taktische Analyse. „Die Taktische Analyse ist mit der stetigen Auswertung von polizeilichen Daten befasst, um ein zeitnahes Lagebild zur seriellen Kriminalität zu erhalten“, so erklärt etwa die Polizei im Schweizer Kanton Zug auf ihrer Website diesen Bereich der Polizeiarbeit.
Taktische Analyse bedeutet, Tatmuster aufzuspüren. Die Basis dafür ist die Zusammenführung von Daten. Die Erkenntnisse, die aus der taktischen Analyse gewonnen werden, sind essenziell: Sie sind oft die Voraussetzung dafür, dass die Staatsanwaltschaft polizeilichen Maßnahmen wie einer Hausdurchsuchung überhaupt zustimmt. Ein weiterer Aspekt ist die Prävention: Erst wenn ein Tatmuster erkannt wird, kann die Polizei zum Beispiel vor dem Identitätsdiebstahl über bestimmte Websites warnen.
Wichtig ist ein solches Werkzeug vor allem in föderal organisierten Staaten wie Deutschland oder der Schweiz mit ihrer dezentralen Struktur. Denn im Gegensatz zu vielen Sicherheitsbehörden sind Kriminelle oft sehr gut vernetzt und gleich auf mehreren Feldern aktiv: Nicht selten taucht dieselbe Kontonummer in verschiedenen Datenbanken auf. Oft sind es finanzielle Mittel aus Drogengeschäften und anderen Delikten, die für terroristische Zwecke eingesetzt wird. Vieles ist miteinander verwoben.
Für ErmittlerInnen, die erstmals rsFrame oder die Data-Fusion-Plattform rsShadow als Teil ihrer täglichen Ermittlungsarbeit nutzen, berichten zum Teil von Aha-Erlebnissen. So sieht ein Polizist in Bayern vielleicht, dass ein gesuchtes Auto in Schleswig-Holstein polizeilich aufgefallen ist. Oft erkennt das System Hunderte solcher potenzieller Fallzusammenhänge am Tag.
Datenaustausch ist oft entscheidend, um den sogenannten Modus Operandi von Tätern zu entdecken. Das sieht man bereits an scheinbar einfachen Beispielen wie dem Enkeltrick: Hätte nur ein einziger geschädigter Senior nach dem Betrug die Polizei alarmiert, wäre die Betrugsmasche nie aufgeflogen. Ein einzelnes Puzzlestück sagt noch nichts über die Größe des Bildes aus. Erst durch die Fülle an ähnlichen Meldungen aus verschiedenen Regionen konnten ErmittlerInnen das ganze Bild sehen. Ebenso dient taktische Analyse auch zur Bekämpfung von Cyberkriminalität.
Beim behördenübergreifenden Datenaustausch ist der Zugriffsschutz essenziell. Die Datensätze der einzelnen Sicherheitsbehörden dürfen nicht einfach in einen Topf geworfen werden. Nur der punktuelle Austausch relevanter Informationen ist rechtlich erlaubt. Diese Restriktionen muss auch eine digitale Plattform zur taktischen Analyse beachten.
Sämtliche rola-Produkte berücksichtigen die Anforderungen des Datenschutzes, denen Sicherheitsbehörden gesetzlich unterliegen. In den digitalen Lösungen wie rsFrame oder rsShadow lässt sich etwa durch einen detaillierten Zugriffschutz steuern, wer welche Informationen zu sehen bekommt. Behörden teilen dabei nicht ihre kompletten Erkenntnisse, sondern ausgewählte Informationen, die im jeweiligen Zusammenhang ins Gesamtbild passen. Das Motto lautet „Share Info, not Data“.
Wie schnell ErmittlerInnen das Puzzle eines Falls lösen können, hängt auch von den technologischen Voraussetzungen ab, mit denen sie arbeiten. Heute passieren viele Arbeitsschritte einer Ermittlung immer noch manuell. Informationen werden in Datenbanken händisch abgefragt, Ermittlungserfolge sind oft Zufallstreffer. Dabei könnten viele Puzzlestücke schon früher entdeckt werden — digitaler Datenaustausch macht’s möglich.