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Bei der Indizierung und strukturierten Speicherung von biometrischen Daten wird in Einzelbilder, Gruppenbilder und Fingerabdrücke unterschieden. (Adobe Stock)
Biometrische Daten kann inzwischen fast jeder auf seinem Smartphone speichern. Fast alle neueren Geräte unterstützen eine Identifizierung über Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Was bei Privatpersonen nice-to-have ist, wird bei der Gefahrenabwehr schnell sicherheitsrelevant.
Tanja Bock: Grundsätzlich können biometrische Merkmale zwei Zwecken dienen: Mit ihnen lassen sich lebende Personen identifizieren oder Identitäten bestätigen. Fingerabdrücke werden dazu bekanntlich von Behörden und der Polizei seit mehr als 150 Jahren genutzt. Schon 1860 kam ein britischer Kolonialbeamter in Indien auf die Idee, ZahlungsempfängerInnen per Fingerabdruck zu registrieren, um Pensionsbetrug zu verhindern. Heute muss man sich bei vielen Sicherheitsbehörden und Unternehmen mit seinem Gesicht oder per Fingerabdruck identifizieren, um den Zugang zu gesicherten Bereichen zu erhalten. Aber auch bei der Erstellung militärischer Lagebilder werden biometrische Daten mit einbezogen.
Tanja Bock: AnalystInnen in militärischen Einheiten und Nachrichtendiensten müssen oft innerhalb kürzester Zeit aus einer Vielzahl von Informationen und Quellen ein zuverlässiges Lagebild erstellen. Eine leitende Frage kann dabei zum Beispiel sein: Wie ist die Gefahrensituation in einem bestimmen Gebiet? Anhaltspunkte dafür können auch biometrische Daten liefern. Zum Beispiel Gesichter auf Fotos, die kürzlich in dem Gebiet aufgenommen wurden und im Internet aufgetaucht sind. Mit Hilfe einer Software lassen sich diese Gesichter schnell mit einem Datenbestand abgleichen und so möglicherweise relevante Personen oder gar Terroristen entdecken. Ein Vorgang, den auch das menschliche Auge in mühevoller Kleinstarbeit übernehmen könnte, aber eine Software ist hier deutlich schneller und weniger fehleranfällig.
Per Mausklick lassen sich erfasste biometrische Daten auswerten und mit Hilfe erweiterter Recherchefunktionen Beziehungsgeflechte und Strukturen sichtbar machen. (Adobe Stock)
Tanja Bock: Genau. Bei militärischen Einsätzen in Ländern, in denen Menschen keine oder unzureichende Ausweisdokumente haben, ist Biometrie ideal, um Freund und Feind zu unterscheiden. In vielen militärischen Einrichtungen werden sogenannte Identifizierungscontainer genutzt, in denen alle BesucherInnen sich mittels ihrer biometrischen Daten ausweisen müssen.
Tanja Bock: Zum einen sind Gesichter und Fingerabdrücke eindeutig, und sie sind schwer zu manipulieren. Einen Pass kann man viel leichter fälschen als einen Fingerabdruck oder eine Gesichtsgeometrie. Zum anderen hat man seine biometrischen Daten natürlich immer dabei. Und drittens ist Biometrie auch sicherer als eine KI-gestützte Bilderkennung, denn sie erfasst tatsächlich Merkmale und nicht nur Ähnlichkeiten.
Tanja Bock: Sicherheitsbehörden können über unser System zwei unterschiedliche Arten von biometrischen Daten nutzen: zum einen Fingerabdrücke in den standardisierten Formaten STANAG 4715 und NIST. Zum anderen Gesichtsbilder aus Fotos und Videos. Unsere Software hilft den Analystinnen und Analysten dabei, große Datenmengen schnell zu durchsuchen und Erkenntnisse unkompliziert in ein Lagebild zu integrieren.
Tanja Bock: Datenschutz ist ein Kernbestandteil aller rola-Produkte. Basis all unserer Software-Lösungen ist ein definiertes Rollen- und Rechtekonzept, das festlegt, wer wann befugt ist auf welche Daten zuzugreifen. Alle Zugriffe werden automatisch protokolliert und Informationen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften auch wieder gelöscht. Natürlich werden etwa Fingerabdrücke gesondert gespeichert und nur anlassbezogen mit anderen Personendaten in Verbindung gebracht.
Tanja Bock: Das mache ich sicher, wenn mein jetziger abgelaufen ist. Die neue Regelung zeigt, wie weit die Nutzung biometrischer Daten schon in den Alltag vorgedrungen ist. Zwei Fingerabdrücke müssen demnach auf dem Chip eines neuen Personalausweises gespeichert werden. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die Behörden diese biometrischen Daten nach der Aushändigung des Ausweises löschen. Sie dienen lediglich der Verifikation, ob derjenige, der das Passdokument vorzeigt, auch derselbe ist, dessen Fingerabdrücke auf dem Chip gespeichert sind. Nicht nur, wenn es um den Zutritt zu Hochsicherheitszonen geht, kann so eine biometrische Bestätigung Gold wert sein.
Biometrische Daten beschreiben biologische Eigenschaften einer natürlichen Person. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bezeichnet so viel wie die Vermessung (griech.: metron) des Lebens (griech.: bios). Biometrische Merkmale sind einmalig, konstant, messbar und universal vorhanden, deshalb eignet sich ihre Erfassung sehr gut als Erkennungsmethode.
Zu den biometrischen Merkmalen eines Menschen zählen zum Beispiel:
Tanja Bock
Zur Person: Tanja Bock ist Projektleiterin in der Domäne Militär bei der rola Security Solutions GmbH. Sie hat Informatik studiert und anschließend am Lehrstuhl für Logik in der Informatik der Universität Dortmund gearbeitet, bevor sie zu rola wechselte. Zu ihren Schwerpunkten gehören Künstliche Intelligenz und Machine Learning.